Beschreibung
Der Vortrag untersucht die sprachlichen und imaginativen Dimensionen technologischer Zukünfte anhand des Begriffs der Neologismen – also neu geschaffener oder neu kontextualisierter Wörter, die bislang Unbenanntes benennbar, denkbar und kommunizierbar machen. Neologismen fungieren dabei als Infrastrukturen des Zukunftsverstehens: Sie beschreiben nicht nur technologische Innovationen, sondern prägen aktiv die Imaginationen, Erwartungen und Investitionslogiken, die diese Technologien begleiten. Begriffe wie Blockchain, Metaverse oder Artificial General Intelligence zeigen, dass Sprache hier zu einem technopolitischen Akt wird – sie definiert Problemräume und liefert zugleich ihre Lösungen.Anhand der Science-Fiction-Literatur wird gezeigt, dass diese Neologismen in einem breiteren kulturellen und narrativen Gefüge entstehen. Termini wie Roboter (Čapek), Cyberspace (Gibson) oder Mind Upload (Altered Carbon) stammen ursprünglich aus fiktionalen Kontexten und wurden später in technologische Diskurse übernommen, wo sie normative und ökonomische Wirkmacht entfalten. Fictional Technofutures fungieren somit als Inkubatoren semantischer Innovation, indem sie imaginative Vokabulare hervorbringen, die sich in Forschungsagenden und marktfähige Versprechen übersetzen lassen. Sobald solche Begriffe „verfangen“, erzeugen sie eine Aura der Unausweichlichkeit, die Hypes und Investitionen gleichermaßen antreibt.
Diese performative Macht der Sprache birgt zugleich epistemische und ethische Risiken. Neologismen verschleiern häufig institutionelle Interessen, moralische Implikationen und Machtasymmetrien. Der Vortrag plädiert daher für eine Hermeneutik des Hypes – eine kritische Lesepraxis, die fragt: Wer erzählt welche Zukunft, für wen und zu welchem Zweck? Dies schließt die Analyse unterschiedlicher Typologien von Hypesprache (stabilisierend, disruptiv, außergewöhnlich) ebenso ein wie das Zurückerobern ihrer Bedeutungen. In Anlehnung an Donna Haraways Cyborg Manifesto wird vorgeschlagen, technofuturistische Begriffe nicht abzulehnen, sondern zu hacken: ihre symbolische Macht umzudeuten, um alternative Zukunftsbilder zu eröffnen und einen reflektierteren, verantwortungsvolleren Umgang mit neuen Technologien zu fördern.
| Zeitraum | 12 Sept. 2025 |
|---|---|
| Ereignistitel | Hype Studies: (Don't) Believe the Hype |
| Veranstaltungstyp | Konferenz |
| Ort | Barcelona, SpanienAuf Karte anzeigen |
| Bekanntheitsgrad | International |
Research Field
- Societal Futures
Schlagwörter
- Hype
- Neologismus