Enquete: Lernen am Computer mit legasthenen und hyperaktiven Kindern

Thomas Burger, Karl Kaser

    Publikation: Beitrag in FachzeitschriftArtikel

    Abstract

    Am 8. juni 2000 fand im Linzer Ars Electro- nica Center eine Fachtagung, veranstaltet von der "Integration durch Kompetenz" und dem Berufsverband Österreichischer Psy- chologen (BÖP) -Sektion Kinder-, jugend- und Familienpsychologie, statt. Etwa 70 Psy- chologen aUS ganz Österreich besuchten die Veranstaltung, die bei allen Beteiligten hohes praktisches Interesse erweckte. Der Compu- tereinsatz bei Kindern mit Lese- Recht- schreibschwäche, sowie bei hyperaktiven Kindern ist in Fachkreisen bereits seit einiger Zeit ein viel diskutiertes Thema. Gerade die- se Kinder scheinen vom Computer beson- ders viel zu profitieren. lernen fällt mit die- sem neuen Medium leichter und dies wirkt sich positivauf Motivation und Selbstwertge- fühl aus. Gerade letzteres brauchen diese Kinder sehr dringend. Dr. Max Kastenhuber (Zentrum Spatt- straße) stellte zwei Studien zu diesem Thema vor, die im letzten jahr im Rahmen des Pro- jektes "Integration durch Kompetenz" erstel11 wurden. Kurz zusammengefaßt vermöger derzeitige Computerprogramme ,nach einerr zweimonatigen Training keine meßbarer Verbesserungen im Lesen und Rechtschrei- ben. jedoch berichten die Eltern ein halbes jahr nach der Trainingsphase über Verbesse- rungen in der Konzentration, der Ausdauer und im allgemeinen Schulerfolg, die sich wiederum auf den Erfolg in der Schule (Schulnoten) im Lesen und Schreiben aus- wirken können. Man kann sagen, daß die Kinder zwar nicht besser lesen oder schreiben können, sie kommen jedoch besser damit zurecht: sie können Defizite durch mehr Konzentra- tion, mehr Ausdauer und effektiverem Den- ken kompensieren. In einer zweiten Studie, die in der Tageskli- nik des Zentrums Spattstraße (Leitung: Mag. Eva Madlmayr) erstellt wurde, wurden die Auswirkungen von Computerlernprogram- men auf hyperaktive Kinder ermittelt. Ob- wohl auch hyperaktive Kinder gerne am Computer lernen, berichten manche Prakti- ker, dar; Kinder dadurch nervöser und noch unruhiger werden. Hier konnte nachgewie- sen werden, daß diese Programme nicht ge- nerell zu höheren Erregungszuständen wäh- rend oder nach dem Training führen müssen. Die Theorie wurde aufgestellt, daß vermehr- te Erregungszustände wahrscheinlich stark abhängig sind von der Wahrnehmung (ein- fach vs. komplex) und des Intelligenzquoti- enten. Danach ergibt sich auch die Auswahl eines speziellen Computerprogramms nach den Bedürfnissen des Kindes. Fazit bei der Studien ist die besondere Be- deutung psychologischer Diagnostik. Erst aufgrund dieser kannein geeignetes compu- terprogramm gesucht werden. Mag. Dr. Karin landerl (Institut für Psycho- logie Universität Salzburg) sprach zum The- ma "Überlegungen zur Steigerung der Lese- geschwindigkeit mittels phonologisch- multisensorischer Schriftwortstrukturierung". Schwierigkeiten beim Lesen- und Recht- schreibenlernen sind in den meisten Fällen auf Defizite in der Verarbeitung von Sprachlauten (phonologisches Defizit) zu- rückzuführen. Sie ging dabei besonders auf das Üben von Lauten, das Zusammenlauten, auf "Simultane Aktivierung von Schrift- und Sprechwort" und auf das Konzept der "Spel- ling pronunciations" ein. Für das Üben die- ser Fähigkeiten bietet sich der Computer be- sonders an. Dr. Reinhard Werth, (Institut für soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Ludwig- Maximilians Universität, München) ging in seinem Referat besonders auf neuropsycho- logische Aspekte bei Lesestörungen ein. Er widmet sich in seiner Forschung besonders den beim Lesen üblichen Blickbewegungen (Sakkadensprüngen), die bei manchen Kin- dern ungewöhnlich verlaufen, sowie Ausfäl- Jen im Gesichtsfeld. Beide Fälle können zu starken Einschränkungen im Lesen führen und können durch spezielle Computerpro- gramme gezielt behandelt werden.
    OriginalspracheDeutsch
    Seiten (von - bis)18-19
    Seitenumfang2
    FachzeitschriftHeilpädagogik
    PublikationsstatusVeröffentlicht - 2000

    Research Field

    • Nicht definiert

    Schlagwörter

    • Computer
    • Kinder

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